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Betriebsführung

Dieser Bereich umfasst die Eisenbahnunternehmen, verwendete Betriebsverfahren, die Betriebssteuerung durch Betriebsleitstellen sowie alle betrieblichen Abläufe, Regeln und Rechtsgrundlagen die zur Durchführung des Eisenbahnbetriebs notwendig sind.



Eisenbahnunternehmen

Im europäischen Eisenbahnwesen unterscheidet Eisenbahnunternehmen zwischen 



Unterscheidung von Eisenbahnstrecken  [1]

Eisenbahnstrecken werden gemäß § 1 Abs. 2 EBO entsprechend ihrer Bedeutung nach

unterschieden. 


Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) sieht dabei je nach Einstufung der Strecken in Haupt- oder Nebenbahnen unterschiedliche Regeln vor, wie z.B. in


Die Entscheidung darüber, welche Strecken Hauptbahnen und welche Nebenbahnen sind, treffen



Betriebsverfahren  [1]

Die Art und Weise wie der Zugverkehr auf einer bestimmten Strecke durchgeführt wird, ist abhängig vom angewandten Betriebsverfahren, welches ein System aus betrieblichen Regeln und technischen Mitteln beschreibt, unter dem die Durchführung der ►Zugfahrten erfolgt.


Betriebsverfahren lassen sich grundsätzlich in zwei Hauptkategorien klassifizieren:

  • mit signaltechnischer Sicherung und
  • ohne signaltechnische Sicherung.


Welches Betriebsverfahren auf einer Strecke zur Anwendung kommt, richtet sich nach der Bedeutung und Frequentierung (dem Belastungsprofil) und nach den verursachten Betriebskosten. Durch die Betrachtung der unten genannten Kriterien kann eine Strecke in solche mit schwacher, mäßiger oder starker Belastung eingeordnet werden. 

Zu berücksichtigen sind dabei:



Betriebsverfahren mit signaltechnischer Sicherung

Die Betriebsverfahren, die auf Hauptbahnen zur Anwendung kommen, müssen über eine signaltechnische Sicherung verfügen. 



Optische Signalinformation durch ortsfeste Signale (Haupt- und Vorsignale)

Bei ►signalgeführten Zugfahrten mit Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h erfolgt die Führung der Züge auf konventionelle Art mithilfe von ►Licht- oder ►Formsignalen, die dem ►Triebfahrzeugführer (Tf) optische Fahr- oder Haltbegriffe an ortsfesten Signalen (siehe ►Haupt- und ►Vorsignale) anzeigen.


Das Ausfahrsignal eines Bahnhofs zeigt Fahrt mit 100 km/h (Geschwindigkeitsanzeiger Zs 3 mit Kennziffer "10"). Im Hintergrund zeigen die Ausfahrsignale benachbarter Gleise Halt.


Anhand der Signalstellung und des Fahrplans erkennt der Triebfahrzeugführer wie weit er mit einer bestimmten Geschwindigkeit fahren darf.



Elektronische Signalinformation per Informationskabel (LZB-Linienleiter)

Bei ►anzeigegeführten Zugfahrten, die mit Geschwindigkeiten über 160 km/h fahren können und unter dem ►Linienzugbeeinflussungssystem (LZB) wirken, wird die Signalinformation über Informationskabel im Gleis (dem sogenannten ►LZB-Linienleiter) an das Fahrzeug übertragen. Mittels ►Führerraumsignalisierung erfolgt die Darstellung der Fahr- und Haltaufträge über elektronische Anzeigen im Führerraum.


LZB-geführte Züge erhalten über das Linienleiterkabel im Gleis alle notwendigen Information direkt auf im Führerraum angezeigt. Die Beachtung ortsfester Signale ist in diesem Fall nicht nötig.


Über die Führerraumanzeige in der Mitte wird dem Triebfahrzeugführer angezeigt, wie weit er mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit fahren darf und wann ein Geschwindigkeitswechsel oder ein Halt zu erwarten ist.


Strecken, die für LZB-geführte Züge ausgerüstet sind, können zusätzlich über ortsfeste Signale (Haup- und Vorsignale) verfügen; z.B. als Rückfallebene sowie für Züge die nur signalgeführt fahren können (und dieselbe Strecke nutzen). 



Elektronische Signalinformation per Funk (ETCS Euroradio)

Unter dem europäischen Zugbeeinflussungssystem ►ETCS wird die Signalinformation ab Ausrüstungsstufe Level 2 (siehe ►ETCS-Level 2) mittels digitalem Zugfunk (GSM-R; siehe ►Euroradio) auf das Fahrzeug übertragen. Die Anzeige im Führerraum erfolgt hier ähnlich wie bei der LZB über eine Führerraumsignalisierung, wodurch diese Züge ebensfalls anzeigegeführt sind.

Auf zusätzliche ortsfeste Signale kann ab ETCS-Level 2 verzichtet werden.



Betriebssteuerung

Die Betriebssteuerung durch die Fahrdienstleitung, kann bei Betriebsverfahren mit signaltechnischer Sicherung, die ortfeste Signale verwenden, auf konventionelle Art dezentral vom Stellwerk der jeweiligen Betriebsstelle vor Ort oder zentral aus einer Betriebsleitstelle, bspw. der Betriebszentrale (BZ) erfolgen.

Bei Betriebsverfahren, die auch oder generell ohne ortsfeste Signale arbeiten (wie LZB oder bei ETCS ab Level 2) und die Signalinformation per Informationskabel oder Funk übertragen wird, erfolgt die Fahrdienstleitung in der Regel aus einer zentralen Betriebsleitstelle oder der für den Regionalbereich zuständigen Betriebszentrale (BZ).



Betriebsverfahren ohne signaltechnische Sicherung

Ein Betriebsverfahren, das ohne oder mit einer nur sehr vereinfachten signaltechnischen Sicherung zum Einsatz kommt, darf nur auf Nebenbahnen verwendet werden.



Zugleiter erteilt Fahrerlaubnis durch mündlichen oder schriftlichen Auftrag (Zugleitbetrieb, ZLB)

Bei ►Zugfahrten im Zugleitbetrieb (ZLB) wird in der Regel auf Signalanlagen verzichtet. Hier ist allein der ►Zugleiter (ZL) für die sichere Durchführung aller Zugfahrten auf der ►Zugleitstrecke verantwortlich. Der ZL erteilt die ►Fahrerlaubnis (Fe) an den ►Zugführer (Zf) / ►Triebfahrzeugführer (Tf) durch mündliche oder schriftliche Aufträge mit teilweise ergänzender Beachtung von Fahrplanregeln.



Beim Technisch unterstützten Zugleitbetrieb (TUZ) wird der Zugleiter durch technische Mittel unterstützt. Hier kommen so genannte "verdeckt wirkende Sicherungssysteme" zum Einsatz.



Dezentrale (konventionelle) Betriebs-steuerung

Die dezentrale Betriebssteuerung erfolgt über eine konventionelle Fahrdienstleitung auf den ►Stellwerken der örtlichen Betriebsstellen - verwendet bei Betriebsverfahren mit signaltechnischer Sicherung durch ortsfeste Haupt- und Vorsignale.


Betriebssteuerung durch örtliche Fahrdienstleiter in den Stellwerken der jeweiligen Betriebsstellen.



Zentrale (ferngesteuerte) Betriebssteuerung

Die zentrale Betriebssteuerung erfolgt heute zunehmend über eine zentralisierte Fahrdienstleitung, bspw. aus einer zentralen Betriebsleitstelle oder der ►Betriebszentrale (BZ), die einen großen Regionalbereich verantwortet.


Betriebssteuerung durch örtlich zuständige Fahrdienstleiter (özF), gesteuert über Elektronische Stellwerkstechnik (ESTW) aus der regional zuständigen Betriebszentrale (BZ).

 


Verfahren zur Regelung der Zugfolge

►Fahren im Raumabstand

►Fahren im Zeitabstand

►Fahren im Sichtabstand



Rechtsverordnungen und Regelwerke  [1]

Betriebsgrundsätze der europäischen Eisenbahnen sind immer noch sehr stark national orientiert. 



Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO)

Die → Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) regelt als Rechtsverordnung den Bau und Betrieb von regelspurigen Schienenbahnen in Deutschland. Schmalspurbahnen (auf die hier nicht weiter eingegangen wird) sind nach der → Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung für Schmalspurbahnen (ESBO) geregelt.

Schienenfahrzeuge, wie Straßenbahnen (dazu zählen auch U-Bahnen), die rechtlich nicht zur Eisenbahn gehören, werden in eigenständigen Rechtsverordnungen erfasst. 



Eisenbahn-Signalordnung (ESO)  [2]

Die → Eisenbahn-Signalordnung (ESO) ist eine Verordnung für regel- und schmalspurige Eisenbahnen. Sie regelt alle Signalbegriffe und ihre Bedeutungen. Die ESO gilt nur für den Betrieb oder die Benutzung der Bahnanlagen eines öffentlichen Eisenbahninfrastrukturunternehmens.

Die ESO schreibt vor, dass Signale mindestens in dem Umfang angewandt werden müssen, wie sie in der EBO für Regelspurbahnen bzw. ESBO für Schmalspurbahnen vorschreiben sind. Abweichungen von der ESO können im Einzelfall zulassen:

 


Betriebliche Regelwerke

Auf Basis der Rechtsverordnungen erfolgt die Erstellung der betrieblichen Regelwerke. Diese enthalten die Vorschriften zur Durchführung von Fahrten mit ►Schienenfahrzeugen und die Regeln der Signalisierung.


In Deutschland gehören dazu die folgenden Richtlinien

  • Ril 408 - Fahrdienstvorschrift
  • Ril 436 - Zug- und Rangierfahrten im Zugleitbetrieb durchführen
  • Ril 437 - Zug- und Rangierfahrten im Signalisierten Zugleitbetrieb durchführen
  • Ril 301 - Signalbuch 

 


Fahrordnung

 ►Fahrordnung auf zweigleisigen Strecken


►Regelgleis (Rgl)

►Gegengleis (Ggl)

►Gleiswechselbetrieb (GWB)



Trassenanmeldung und Fahrplan-konstruktion

►Trassenanmeldung

►Fahrplantrasse

►Kundenhalt



Betriebsleitstellen von Eisenbahninfra-strukturunternehmen (EIU)  [1]

►Betriebsleitstellen (BLST)

►Betriebszentralen (BZ)

►Netzleitzentrale (NLZ)



Dispositionszentralen von Eisenbahn-verkehrsunternehmen (EVU)  [1]

►Zentrale Verkehrsleitung (ZVL)

►Verkehrsleitung Fernverkehr (VL)

►Transportleitung Personenverkehr (TP)



Bauarbeiten

►Betra



Literaturquelle:

[1]  Fachbuch "Handbuch Eisenbahninfrastruktur" aus dem Kapitel „Betriebsführung der Infrastruktur“, 2. Auflage, ab Seite 405